• Zielformulierung (SMART)
  • Reflexion (STARR)
  • Kernqualitäten
  • Quellen

 

Zielformulierung nach der SMART Methode –

Specific Measurable Accepted Realistic Timely

 

“Und als wir das Ziel aus den Augen verloren, verdoppelten wir unsere Anstrengungen”

(Mark Twain)

 

1.Zielformulierung nach der SMART Methode

 

Positive Effekte von Zielen:

  • Das Handeln wird auf einen Bezugspunkt hin gelenkt
  • Das Nachdenken über zukünftiges verlagert die Sicht vom Problem hin zur Lösung
  • Gute Ziele schaffen die Motivation, sich dafür anzustrengen
  • Gespräche über Ziele helfen klären, was Klienten wichtig ist
  • Ergebnisse eigenen Handelns (von Bewohnern und Begleitern) werden überprüfbar

 

Inhalt der SMART-Methode ist die genaue Formulierung/ Operationalisierung

  • von Zielen,
  • zur Zielerreichung notwendiger Maßnahmen,
  • Vereinbarungen von Zeitabsprachen für das Erreichen des Ziels, denn…
  • …ein smartes Ziel liefert konkrete Vereinbarungen, wird anhand der vereinbarten Kriterien zum festgelegten Zeitpunkt überprüft und fordert Rückmeldung zum Ergebnis

 

Muster der SMART-Methode

  • S- Spezifisch:
    • Ziel möglichst konkret und deutlich formulieren
      • was will ich genau tun?
      • Raum für Interpretation minimieren
  • M- Messbar:
    • Ziel muss kontrollierbar sein
      • wie viel genau tue ich wovon?
      • woran erkenne ich, dass das Ziel erreicht ist? 
      • wie kann das Ziel gemessen werden?
  • A- Akzeptabel/„als ob erreicht“/aktiv:
    • Ziel muss von allen beteiligten Personen/Parteien akzeptiert werden
      • Ziel-vereinbarung
      • Ziel und Maßnahmen werden quasi „vertraglich“ vereinbart
      • Zielvereinbarungen werden unterschrieben
      • das Ziel sollte „als ob“ – bereits erreicht formuliert werden, das senkt die Schwelle, sich „auf den Weg zu machen“, das Ziel wirkt „kleiner“ und besser zu bewältigen
    • Ziel muss aktiv beeinflussbar sein
      • Mit dem eigenen Verhalten Einfluss auf das Ziel nehmen können
      • Abhängigkeit der Zielerreichung von nicht beeinflussbarer Seite/ Faktoren verhindern
      • Kompetenzerfahrung vermitteln und Verantwortungsbereiche vergrößern
  • R- Realistisch:
    • Ziel muss erreichbar/realisierbar sein
      • Zu hoch angesetzte Ziele demotivieren
      • „Optimale Frustration“: Ziel ist so weit entfernt, dass es dadurch, dass es nicht unmittelbar umsetzbar ist eine gewisse Frustration erzeugen kann, aber doch erreichbar ist, wenn eine auf das Ziel gerichtete Anstrengung erfolgt (Anforderungscharakter)
  • T- Temporal gebunden/„total positiv“:
    • Zeitraum der Zielrealisation muss eindeutig festgelegt werden
      • Es ist sinnvoll, Zeitpunkte für Zwischenüberprüfungen festzulegen, um Abweichungen oder Schwierigkeiten frühzeitig festzustellen und korrigieren zu können
      • Ziel wird positiv formuliert
      • negative Formulierung mindert die Motivation
      • nicht NICHT- oder UN- Formulierungen
      • nicht BESSER/MEHR Ziele formulieren: Besser oder mehr als bewertet ein Negativurteil über die aktuelle Situation

 

 Earbeiten von Zielen

  • Ziele werden im Dialog erarbeitet
  • Ziele sind Ziele von einem Menschen, nicht für einen Menschen
  • Ziele dürfen nicht der Umsetzung von Privatregeln (unreflektiert übertragene Normen): Man macht das so, ich mache das so, und deshalb müsst ihr das auch so machen)
  • Ziele werden „kleingearbeitet“: Es ist zu hinterfragen, ob in einem bestimmten Ziel Fertigkeiten, Fähigkeiten der Aspekte isoliert werden können, die vorhanden sein müssen, um das Ziel erreichen zu können. Sind sie nicht vorhanden, so ist das Ziel zu unterteilen, so dass das Erlangen der grundlegenden Fertigkeiten den ersten Meilenstein auf dem Weg zum Ziel darstellt. Durch die Beschreibung entstehen u.U. mehrere Subziele, die jedoch das Fundament für das eigentliche Ziel liefern:
    • Bsp.: Ein Bewohner einer betrueten Wohngemeinschaft  möchte die Verantwortung über Organisation und Durchführung seiner Arztbesuche übernehmen.
    • Fähigkeit gegeben, über die Notwendigkeit eines Arztbesuches zu entscheiden?
    • …, regelmäßige Kontrolluntersuchungen zu überschauen?
    • …, zu telefonieren und im Telefonat umsetzbare Zeitabsprachen zu treffen?
    • …, Mitarbeiter über die Absprache zu informieren?
    • …, den Arzt eigenständig aufzusuchen?
    • …, mit Wartezeiten umzugehen, die über die Zeit des vereinbarten Termins hinausgehen?
    • …, Gespräch mit Arzt zu führen/Beschwerden zu lokalisieren/mitzuteilen?
    • …, Verordnungen durchzuführen?
    • ..., Apotheke aufzusuchen, Rezept einzulösen?

Wird ein Ziel auf diese Weise in Handlungsbestandteile und Folgehandlungen herunter gebrochen zeigt sich schnell, dass ein vermeintlich kleines Ziel einen großen Umfang an Themen enthalten kann, die gleichwertig mit berücksichtigt werden müssen. Es besteht bei der Zielformulierung die Gefahr, Ziele unreflektiert und damit „zu groß“ anzusetzen. Das Risiko daraus resultierender möglicher Misserfolgserfahrungen kann durch eine sorgfältige Operationalisierung minimiert werden.

  • Ziele sollen (persönlich) sinnvoll sein und die (berufliche/persönliche) Entwicklung vorantreiben
  • Ziele können dabei sowohl auf Schwächen aufbauen („ich möchte etwas Bestimmtes erlernen, verändern etc.“), als auch auf Stärken („ich möchte meine Fähigkeit [z.B. Musikalität] zielgerichtet und regelmäßig im Gruppenalltag einbringen, weiterentwickeln etc.“),
  • Ziele sind damit zunächst grundsätzlich positiv (vgl. SMART: total positiv, keine NICHT oder UN- Formulierungen)
  • Ziele können das Handeln im Alltag betreffen, oder auch die Weiterentwicklung der eigenen Person. Hierzu gibt es Hilfskonstruktionen, mit denen Ideen zu Zielen auf persönlicher Ebene entwickelt werden können, z.B. das Werte- und Entwicklungsquadrat nach Schulz von Thun oder das Kernqualitätenkonzept (Core Quality) von Ofman
  • Ziele können an Stärken, Schwächen und Kompetenzen ansetzen

 

Selbstbestimmung als Schlüsselbegriff

"Selbstbestimmung ist ein Schlüsselbegriff in der gegenwärtigen Diskussion um die Zurückschneidung des Wohlfahrtstaates. Sie impliziert eine Leugnung von sozialen Abhängigkeiten und führt oft genug zu einer Negativbewertung jener, die auf Hilfe angewiesen sind. Sennett behauptet eine Korrelation zwischen Abhängigkeit, Scham und Zorn: Wenn sich die Erfahrung der Abhängigkeit mit einem Gefühl der Scham über diese Abhängigkeit verbindet - was nahe liegt, weil Abhängigkeit negativ konnotiert ist und als persönlicher Makel, als Indiz des Scheiterns verstanden wird - dann entstehen hilflose Wut und Misstrauen." (S. 203)

Dederich, M. (2001). Menschen mit Behinderung zwischen Anerkennung und Ausschluss. Bad Heilbronn: Klinkhardt.