2. Reflexion von Zielen anhand der STARR-Analyse

Im Folgenden wird die STARR-Analyse vorgestellt. Wesen einer jeden Reflexion ist, dass am Ende des Nachdenkens über die eigene Person in einer Situation/in einem Prozess etc. eine neue Erkenntnis steht. Hierbei kann es sich um einen neuen Aspekt im Wissen oder betrachten der eigenen Person handeln oder eine andere Deutung der reflektierten Situation durch das Einnehmen einer anderen Beobachterposition.

Inhalt der STARR-Analyse ist die genaue Beschreibung einer Situation. Hierzu wird differenziert zwischen der konkreten Erfahrung und der (Selbst-) Beobachtung.

Muster der STARR-Analyse:

 

  • S- Situation: Situation/Fallbeispiel mit persönlicher Beteiligung wird beschrieben (nur Situation!)
  • T- Tätigkeit: eigene Tätigkeit/Aufgabe innerhalb der Situation; was sollte/wollte ich erreichen?
  • A- Aktion: welche Aktionen habe ich unternommen, um die Aufgabe/Tätigkeit auszuführen?
  • R- Resultat: Resultat der Aktion; sind Folgeaktionen nötig?
  • R- Reflexion: das gleiche Handlungsmuster in einer ähnlichen Situation noch einmal anwenden? Welche Alternativen gibt es? Was würde ich beim nächsten Mal anders machen/verändern?
  • Abschließend: Welche Lernziele/Entwicklungsziele lassen sich hieraus ableiten? (à Verknüpfung zur SMART Methode, beide lassen sich zirkulär miteinander verknüpfen!)

Die Beschreibung der Situation und der Tätigkeit (S-T) problematisiert die konkrete Erfahrung; es wird formuliert, was genau stattfinden sollte. In den anderen Schritten (A-R-R) findet die Reflexion auf drei verschiedenen Stufen statt: Methodik (A), Ergebnis (R) und persönliches Fazit (R). Hilfreich hierfür können die folgenden Fragestellungen sein:

  • was wollte ich?
  • was tat ich?
  • was dachte ich?
  • was fühlt ich?
  • was glaube ich, was die anderen an der Situation beteiligten wollten, taten, dachten, fühlten?
  • in welchem Kontext (Zusammenhang) fand die Handlung statt?
  • welche Dilemmata spielten in der Situation eine Rolle?
  • Gedanken/Gefühle/Wünsche benennen
  • verbale/nonverbale Botschaften mitteilen/umsetzen

 

Lernzyklus nach Kolb

Im dargestellten Prozess finden sich die ersten zwei Schritte des Lernzyklus nach Kolb:

  1. Konkrete Erfahrung in der Praxis
  2. Reflektieren und beobachten (überdenkend wahrnehmen)

Im zweiten R der STARR Formel findet sich eine Frage zur Verknüpfung mit den weiterführenden Schritten (Frage nach den Alternativen und zukünftigem Handeln):

  1. Abstrakte Begriffsbildung/ Analyse und Verknüpfung mit Theorie
  2. Aktives Testen und experimentieren

Diese 4 Schritte lassen sich zirkulär verbinden, so dass immer neue Erfahrungen auf unterschiedlichen Niveaus möglich sind, der Lernprozess also nicht abschließt, sondern neue Möglichkeiten auf Grundlage bereits erlernter Kompetenzen (Kompetenzen werden hier verstanden als relationale Kombination von Wissen, Fertigkeiten, persönlichen Eigenschaften und Haltungen mit Bezug auf bestimmte Situationen beruflichen Funktionierens) eröffnet.

Sozialpädagogische/Heilerziehungspflegerische Kompetenzen (unter Verwendung eines scharf umrissenen Kompetenzbegriffs) lassen sich auf diese Weise (SMART-STARR als zirkulärer Prozess) zielgerichtet aus individuellen praktischen Erfahrungen abgeleitet konkretisieren, problematisieren (zur Reflexion) und auf beschreibbaren Niveaus präsentieren.

 

Evaluation von Zielen

  • Ziele (erreichte und verfehlte) können, bzw. sollen einem Reflexionsprozess/einer Evaluation unterworfen werden, da aus den erreichten Zielen oft Möglichkeiten für weiterführende Ziele abgeleitet werden können, bzw. nicht erreichte Ziele eine Anpassung erfahren können, die eine realistischere Umsetzung erwarten lassen.
  • In der Operationalisierung von Zielen und Maßnahmen sollen Zeitpunkte für Zwischenevaluationen und Evaluationskriterien festgelegt werden. Das Bestimmen von Evaluationskriterien gibt dabei vor, wie die Dokumentation an der Zielearbeit durchgeführt werden soll, damit die Evaluation durchgeführt werden kann.
  • Die Methode der Evaluation ergibt sich dabei aus dem Zusammenspiel zwischen dem Ziel, den Maßnahmen, den formulierten Evaluationskriterien und der Dokumentation. Es kann sich dabei um quantitative Kriterien handeln (z.B. das Erfassen eine bestimmte Anzahl von Aktivitäten) oder um qualitative Kriterien (z.B. Veränderung in der Aneignung von Handlungskompetenzen), die jedoch einer umfassenden Umschreibung der Ausgangs- und Zielmerkmale bedürfen. Ebenfalls möglich ist es, qualitative Ziele durch regelmäßige Bewertungen zu evaluieren; hierzu bieten sich dann für die Evaluation festgelegte Skalierungsfragen an, die eine Einschätzung auf einer festgelegten Skala erfassen.
  • Wenn keine direkte Zielerreichung überprüft werden kann (z.B. Aufbau von Selbstvertrauen), lassen sich u.U. Indikatoren finden, die auf die Erreichung des Ziels hinweisen
  • Je klarer das Ziel formuliert ist, desto besser können Fortschritte festgestellt werden
  • Es sollte geprüft werden, ob positive oder negative „Nebenwirkungen“ festgestellt werden können
  • Welche Konsequenzen ergeben sich aus der Auswertung?

 

Selbstbestimmung und Sozialisation

"Jedes Individuum wird in eine Gesellschaft hineingeboren, die bereits existiert und in diesem Sinne nicht frei gewählt ist. Die Freiheit des einzelnen hängt dann von der Stellung ab, die er in der sozialen Struktur der Gesellschaft einnimmt, so dass eine Analyse der sozialen Struktur notwendig ist, um ein Verständnis von der Freiheit des Einzelnen zu bekommen." (S. 144)

Chalmers, A. F. (1994). Wege der Wissenschaft. Einführung in die Wissenschaftstheorie. Herausgegeben und übersetzt von Niels Bergemann und Jochen Prümper. Berlin Heidelberg: Springer-Verlag.