5.    Moderation und Leitung

Moderieren heißt nicht Leiten im üblichen Sinne, Moderation ist gekennzeichnet durch

  •  inhaltliche Abstinenz
  • Keine eigene inhaltliche Stellungnahme/Wertung
  • Personenbezogene Neutralität
  • Möglichst gleiche Wertschätzung aller Gruppenmitglieder
  • Auch Minderheiten Gehör verschaffen

 Hieraus sind Konsequenzen abzuleiten: Der Moderator eines Gesprächs steht der Gruppe inhaltlich als Teilnehmer für Diskussionen nicht zur Verfügung. In kleinen Gruppen kann das dazu führen, dass mögliche Sichtweisen nicht angesprochen werden. Wird die Moderation also in einem Arbeitsteam von einem Mitglied des Teams übernommen, wird dessen Meinung (u.U.) nicht berücksichtigt. Es kann von Vorteil sein, einen externen Moderator hinzuzuziehen, besonders dann, wenn alle Mitglieder eines Arbeitsteams intensiv und konstruktiv in ein Thema verwickelt sind. In manchen Fällen kann es ebenfalls sinnvoll und hilfreich sein, eine Moderationsmethode wie z.B. in der kollegialen Fallberatung (Intervision) zu nutzen, um ein bestimmtes Thema systematisch und von verschiedenen Seiten aus zu diskutieren und einer Lösung zuzuführen.

Eine Gegenüberstellung:

Arbeitsgruppen leiten

Arbeitsgruppen moderieren

inhaltlich beteiligt (Stellung nehmen, Bewerten der Beiträge anderer, Verstärken)

inhaltlich unparteiisch und abstinent

Konzentration auf den Inhalt, weniger auf Methoden und Verfahrensweisen

Konzentration auf Auswahl und Anwendung von Methoden und Verfahren

Willensdurchsetzung gefordert

Willenbildungsprozess der Gruppe steuern

Delegation der Protokollierung und Dokumentation

offene und simultane Visualisierung

hierarchisch höhergestellt

 

weder die (hierarchische) Position des Teilnehmers noch die des Moderators spielen eine Rolle

(ungeschriebene) Regeln der Leitungskunst

 

Unterstützung bei der Festlegung von Regeln durch die Gruppe –ggf. Regeln vorschlagen

Arbeitsziele werden vorgegeben

(Bedingte) Erarbeitung der Arbeitsziele durch die Gruppe 

 

6.   Kernelemente der Moderation

Folgende Elemente können im Sinne einer Grundhaltung für einen gelingenden Moderationsprozess förderlich sein:

  • Eigene Ziele, Wertungen, Meinungen zurückstellen
  • Alle Teilnehmer ernst nehmen, gleiche Wertschätzung
  • Darauf achten, dass alle Teilnehmer ihre Meinung vertreten können
  • Auch ruhige und schweigsame in den Arbeitsprozess einbinden
  • Ständige Verfolgung der Ziele der Sitzung oder einzelner Phasen –Abweichungen der Gruppe mitteilen
  • Zur Regelfestlegung für konstruktiven Umgang miteinander anregen
  • Verhalten spiegeln, damit angemessener Umgang mit Störungen oder Konflikten möglich wird
  • Fragende Haltung einnehmen (keine behauptende; Aktives Zuhören)
  • Überwiegend aktiv zuhören, selbst wenig sprechen
  • Zusammenfassen, wenn dadurch der Arbeitsprozess erleichtert oder weiterentwickelt werden kann
  • Struktur für die gesamte Sitzung anbieten – von der Einleitung bis zum Schluss
  • Konkrete Arbeitsschritte und dazu passende Arbeitsverfahren vorschlagen
  • Visualisieren (Flip Chart, White Board etc.); das Visualisieren von Themen in Form von Skizzen, gruppierten Stichwörtern etc. stellt ein elementares Kernelement für erfolgreiche Moderation dar („ein Bild sagt mehr als tausend Worte“). Es sollten hierfür verschiedenfarbigen Stifte zur Verfügung stehen. 

 

7.   Umgang mit „schwierigen“ Teilnehmern

Regelmäßig stoßen Moderatoren auf „schwierige“ Teilnehmer in Diskussionen. Was jemand dabei als schwierig empfindet, ist unterschiedlich (Das Kernqualitätenmodell kann hierfür zur Klärung herangezogen werden, vgl. den Text „Kompetenzmanagement und Reflexion“ auf dieser Website). Häufig stoßen Moderatoren jedoch auf folgende „schwierige“ Teilnehmer: 

 

„Typ“

Möglichkeit konstruktiven Umgangs

Streiter

sachlich und ruhig bleiben –Gruppe veranlassen, seine Meinung zu widerlegen

Positiver

Ergebnisse zusammenfassen lassen, bewusst in die Diskussion einschalten

Alleswisser

Gruppe auffordern, zu seinen Behauptungen Stellung zu nehmen

Redseliger

taktvoll unterbrechen, Redezeit festlegen; freundlicher Hinweis, dass auch die anderen Teilnehmer zu Wort kommen möchten

Schüchterner

leichte, direkte Fragen stellen, sein Selbstbewusstsein stärken; Wertschätzung für Beiträge zum Ausdruck bringen; nicht unter Druck setzen

Ablehnender

seine Erkenntnisse und Erfahrungen anerkennen

Desinteressierter

nach seiner Arbeit fragen, Beispiele aus seinem Interessengebiet erfragen

„Großes Tier“

keine direkte Kritik üben, „Ja – aber“ Technik

Ausfrager

seine Fragen an die Gruppe zurückgeben

 

Selbstbestimmung und heimliches Betreuungskonzept

"Dies hängt mit einem Phänomen zusammen, das wir "heimliches Betreuungskonzept" (Linge/Theunissen 1993, 94) genannt haben. Es bezeichnet alle Prozesse und Regelungen, die nebenbei, unbeabsichtigt und unbewußt ablaufen, die enorm wirksam sind und eine "heimliche" Fremdsteuerung, eine gedankenlose Rundumversorgung und Überbehütung sowie eine subtile Überwachung bedeuten. Auch wenn viel Selbstbestimmung proklamiert wird, erhalten trotzdem viele geistig behinderte Menschen keinen eigenen Schrank- oder Zimmerschlüssel; das Personal ist es, das bestimmt, wann und wie lange der Einzelne morgens baden, ob er duschen oder baden darf, welches Shampoo und welche Seife er verwenden, welches Handtuch zum Abtrocknen er nehmen, welche Unterhose und Strümpfe er anziehen soll, wann gefrühstückt wird, wieviel und was er essen oder trinken darf... Damit lernen die Behinderten ganz "heimlich" und im Verborgenen, daß sie nicht über ihre eigenen Lebensumstände verfügen und daß sie ihre Gefühle, Interessen und Bedürfnisse zu unterdrücken haben." (S. 59)

Theunissen, G. &Plaute, W. (1995). Empowerment und Heilpädagogik. Freiburg im Breisgau: Lambertus.