Wüllenweber, E. & Theunissen, G. (2004). Handbuch Krisenintervention Band 2. Praxis und Konzepte zur Krisenintervention bei Menschen mit geistiger Behinderung. Stuttgart: Kohlhammer.

Noch konsequenter als im ersten Band ist Band 2 des Handbuches auf die Praxis zugeschnitten: Es werden methodische Zugänge der Deeskalation, Case Management, Supervision, Mediation und Konfliktberatung vorgestellt. Im zweiten Teil des Buches werden vorgestellte Konzepte in de Anwendung auf spezifische Personengruppen dargestellt, der dritte Teil behandelt die Krisenprävention und im abschließenden vierten Teil werden erstmalig konkrete Konzepte verschiedener Träger zur Krisenintervention vorgestellt. Auch Band 2 des Handbuches eignet sich hervorragend zur Umsetzung in der Praxis und zur Erweiterung von Hintergrundwissen zur Krisenintervention. Durch den Aufbau der Bücher können beide Bände ganz im Sinne des Titels als Handbücher genutzt werden, die nicht von vorne nach hinten durchgearbeitet werden müssen, sondern in einzelnen Beiträgen zusammengefasstes nutzbares Wissen vermitteln.

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Selbstbestimmung und heimliches Betreuungskonzept

"Dies hängt mit einem Phänomen zusammen, das wir "heimliches Betreuungskonzept" (Linge/Theunissen 1993, 94) genannt haben. Es bezeichnet alle Prozesse und Regelungen, die nebenbei, unbeabsichtigt und unbewußt ablaufen, die enorm wirksam sind und eine "heimliche" Fremdsteuerung, eine gedankenlose Rundumversorgung und Überbehütung sowie eine subtile Überwachung bedeuten. Auch wenn viel Selbstbestimmung proklamiert wird, erhalten trotzdem viele geistig behinderte Menschen keinen eigenen Schrank- oder Zimmerschlüssel; das Personal ist es, das bestimmt, wann und wie lange der Einzelne morgens baden, ob er duschen oder baden darf, welches Shampoo und welche Seife er verwenden, welches Handtuch zum Abtrocknen er nehmen, welche Unterhose und Strümpfe er anziehen soll, wann gefrühstückt wird, wieviel und was er essen oder trinken darf... Damit lernen die Behinderten ganz "heimlich" und im Verborgenen, daß sie nicht über ihre eigenen Lebensumstände verfügen und daß sie ihre Gefühle, Interessen und Bedürfnisse zu unterdrücken haben." (S. 59)

Theunissen, G. &Plaute, W. (1995). Empowerment und Heilpädagogik. Freiburg im Breisgau: Lambertus.