Wüllenweber, E. & Theunissen, G. (2001). Handbuch Krisenintervention. Hilfen für Menschen mit geistiger Behinderung. Theorie, Praxis, Vernetzung. Stuttgart: Kohlhammer.

Wüllenweber und Theunissen geben ein theoretisch fundiertes Handbuch heraus, dass sich selbst als praxisbezogenen Beitrag zur Begleitung behinderter Menschen in kritischen Lebensphasen und mit gravierenden Verhaltensproblemen versteht. In Teil A sind interdisziplinäre Ansätze zur Krisenintervention zusammengefasst; zunächst werden die Schlüsselbegriffe Krise, Intervention und Krisenintervention dargestellt und die Krise als Gegenstand sprachlicher Kommunikation reformuliert. Im Anschluss wird die Krisenintervention psychologisch, psychiatrisch, systemisch-konstruktivistisch und behindertenpädagogisch diskutiert. Teil B des Buches stellt Aspekte der Krisenintervention bei Menschen mit geistiger Behinderung vor, z.B. bezogen auf selbstverletzendes Verhalten, Fremd- Sachaggression und Krisenprophylaxe. Das Buch bleibt stets lesbar und verbindet handlungspraktische Anregungen mit theoretischen Hintergründen auf gute Art und Weise

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Selbstbestimmung und heimliches Betreuungskonzept

"Dies hängt mit einem Phänomen zusammen, das wir "heimliches Betreuungskonzept" (Linge/Theunissen 1993, 94) genannt haben. Es bezeichnet alle Prozesse und Regelungen, die nebenbei, unbeabsichtigt und unbewußt ablaufen, die enorm wirksam sind und eine "heimliche" Fremdsteuerung, eine gedankenlose Rundumversorgung und Überbehütung sowie eine subtile Überwachung bedeuten. Auch wenn viel Selbstbestimmung proklamiert wird, erhalten trotzdem viele geistig behinderte Menschen keinen eigenen Schrank- oder Zimmerschlüssel; das Personal ist es, das bestimmt, wann und wie lange der Einzelne morgens baden, ob er duschen oder baden darf, welches Shampoo und welche Seife er verwenden, welches Handtuch zum Abtrocknen er nehmen, welche Unterhose und Strümpfe er anziehen soll, wann gefrühstückt wird, wieviel und was er essen oder trinken darf... Damit lernen die Behinderten ganz "heimlich" und im Verborgenen, daß sie nicht über ihre eigenen Lebensumstände verfügen und daß sie ihre Gefühle, Interessen und Bedürfnisse zu unterdrücken haben." (S. 59)

Theunissen, G. &Plaute, W. (1995). Empowerment und Heilpädagogik. Freiburg im Breisgau: Lambertus.