Wellhöfer, P.R. (2001). Gruppendynamik und soziales Lernen. Theorie und Praxis der Arbeit mit Gruppen. Stuttgart: Lucius & Lucius.

Wellhöfer stellt in diesem Buch die wesentlichen Eckpfeiler der Gruppendynamik und des Lernens in Gruppen zusammen. Hierzu beschäftigt sich der Autor mit dem Spannungsfeld zwischen Individuum und Gruppe, dem Tuckmann-Modell der Gruppenentwicklung, Rollentheorien, Interaktion und Kommunikation und speziellen Aspekten der Gruppendynamik. Hierzu zählt er u.a. Gruppennormen, Konformitätsdruck, Leistungsvorteile, Gruppenführung und Führungsstile etc. Auch zentrale Lernprozesse in Gruppen werden kurz behandelt. Nach diesen Ausführungen geht Wellhöfer auf die Planung und Moderation von Gruppenaktivitäten ein und gibt einen Seminarverlauf als Beispiel wieder. Die einzelnen Kapitel sind mit vielen kreativen Übungen und einigen Skizzen versehen; die Übungen sind in der Praxis gut einsetzbar und vermögen es, einen geschärfteren Blick auf die in Gruppen ablaufenden Prozesse zu erlangen. Für Menschen, die schon länger mit Gruppen arbeiten, bietet das Buch wahrscheinlich nicht viel Neues, einführend, zusammenfassend und zum anregen für Praxisübungen ist es jedoch allemal lesenswert und bereichernd.

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Selbstbestimmung und heimliches Betreuungskonzept

"Dies hängt mit einem Phänomen zusammen, das wir "heimliches Betreuungskonzept" (Linge/Theunissen 1993, 94) genannt haben. Es bezeichnet alle Prozesse und Regelungen, die nebenbei, unbeabsichtigt und unbewußt ablaufen, die enorm wirksam sind und eine "heimliche" Fremdsteuerung, eine gedankenlose Rundumversorgung und Überbehütung sowie eine subtile Überwachung bedeuten. Auch wenn viel Selbstbestimmung proklamiert wird, erhalten trotzdem viele geistig behinderte Menschen keinen eigenen Schrank- oder Zimmerschlüssel; das Personal ist es, das bestimmt, wann und wie lange der Einzelne morgens baden, ob er duschen oder baden darf, welches Shampoo und welche Seife er verwenden, welches Handtuch zum Abtrocknen er nehmen, welche Unterhose und Strümpfe er anziehen soll, wann gefrühstückt wird, wieviel und was er essen oder trinken darf... Damit lernen die Behinderten ganz "heimlich" und im Verborgenen, daß sie nicht über ihre eigenen Lebensumstände verfügen und daß sie ihre Gefühle, Interessen und Bedürfnisse zu unterdrücken haben." (S. 59)

Theunissen, G. &Plaute, W. (1995). Empowerment und Heilpädagogik. Freiburg im Breisgau: Lambertus.