Weingärtner, C. (2009). Schwer geistig behindert und selbstbestimmt. Eine Orientierung für die Praxis. Freiburg im Breisgau: Lambertus-Verlag.

Das Buch ist eine an die Praxis adressierte Verkürzung der Dissertation von Weingärtner, empirisches Datenmaterial u.a. wurden ausgespart. Zurück bleiben die Kernausführungen - Weingärtner entwickelt ein Konzept der Selbstbestimmungsmöglichkeiten für Menschen mit schwerer geistiger Behinderung. Dazu differenziert er den (kognitiv orientierten) Begriff der Selbstbestimmung in drei Unterbegriffe: a) Selbstentscheiden, b) Erfahren der eigenen Wirkung und c) Selbsttätigkeit. Der Oberbegriff wird von Weingärtner erweitert, so dass er das Konzept als Basale Selbstbestimmung vorstellt. Im Mittelpunkt steht die Kopplung von Handlung und Erfahrung, mit der ein Individuum Selbsttätigkeit mit daraus folgenden Konsequenzen erfahren kann, wodurch auf Ebene der motorischen Äußerung selbstbestimmtes Handeln möglich wird. Eben dieses motorische Niveau selbstbestimmten Handelns wird in Institutionen über die Orientierung am Begriff der Betreuung und zielorientiert didaktisierten Handlungssequenzen verkürzt, so dass Menschen mit schwerer geistiger Behinderung an verschiedenen Stellen nicht in der Lage sind, die zentral stehende Kopplung zwischen Handlung und Erfahrung zu verinnerlichen. Weingärtner vermittelt zudem eine Haltung des Akzeptierens der Sinnhaftigkeit von (auch schwierigen) Verhaltensweisen, die mit dem Konzept der Basalen Selbstbestimmung reformuliert und dadurch mit anderen Antwortmustern versehen werden können.

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Selbstbestimmung, Vollzug und Pragmatik

"Der Begriff Selbstbestimmung besitzt auch eine vollziehende Dimension, im Sinne von Macht über etwas haben oder vollziehendem Handeln." (S. 24)

"Selbstbestimmung bezieht sich auf ein einzelnes Wesen, das sich erkennt indem es sich definiert und Macht über sich ausübt." (S. 29)

"In dem pragmatischen Verständnis geht Selbstbestimmung nicht gänzlich in Handlungsfreiheit über." (S. 28)

"Selbstbestimmung ist bei Menschen mit schwerer geistiger Behinderung unabdingbar auf die Anerkennung durch andere angewiesen." (S. 65)

"Bezeichnend für das pragmatische Verständnis von Selbstbestimmung ist die konkrete relative Handlungsfreiheit." ( S. 28)

 

Weingärtner, C. (2009). Schwer geistig behindert und selbstbestimmt. Eine Orientierung für die Praxis. Freiburg im Breisgau: Lambertus.