Schulz von Thun, F.; Ruppel, J; Stratmann, R. (2002). Miteinander reden: Kommunikationspsychologie für Führungskräfte. Hamburg: Rowohlt Taschenbuch Verlag.

Schon das Vorwort beginnt mit einer tiefen Wahrheit: "Durch hervorragende fachliche Leistungen nach oben gekommen, haben wir Führungskräfte es plötzlich und folgenreich mit Menschen zu tun! Dem Strategen mit dem kühlen Kopf geht jetzt vieles ans Herz und manches an die Nieren. Und manchem, der das Herz auf dem richtigen Fleck hat, wird plötzlich klar, dass dieses Herz auf dem Feld der Professionalität gar nichts zu suchen hat. Oder doch?" (S. 9). Nach einer Darstellung seines Modells des vierfachen Gehalts einer Äußerung geht Schulz von Thun auf Zirkularität (Teufelskreise), innere Pluralität, das Werte- und Entwicklungsquadrat, die Logik sozialer Situationen und Kompetenzen der Gesprächsführung ein, gibt im Anschluss daran noch Fallbeispiele zu typischen Auseinandersetzungsthemen für Führungskräfte: Unpünktlichkeit, Langsamkeit, Unorganisiertheit, Vielredner usw. Das Buch bündelt in konzentrierter und eindeutiger Form die zentralen Aussagen der Miteinander reden Reihe und bezieht die Inhalte konsequent auf die Erfordernisse für Führungskräfte.

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Selbstbestimmung und heimliches Betreuungskonzept

"Dies hängt mit einem Phänomen zusammen, das wir "heimliches Betreuungskonzept" (Linge/Theunissen 1993, 94) genannt haben. Es bezeichnet alle Prozesse und Regelungen, die nebenbei, unbeabsichtigt und unbewußt ablaufen, die enorm wirksam sind und eine "heimliche" Fremdsteuerung, eine gedankenlose Rundumversorgung und Überbehütung sowie eine subtile Überwachung bedeuten. Auch wenn viel Selbstbestimmung proklamiert wird, erhalten trotzdem viele geistig behinderte Menschen keinen eigenen Schrank- oder Zimmerschlüssel; das Personal ist es, das bestimmt, wann und wie lange der Einzelne morgens baden, ob er duschen oder baden darf, welches Shampoo und welche Seife er verwenden, welches Handtuch zum Abtrocknen er nehmen, welche Unterhose und Strümpfe er anziehen soll, wann gefrühstückt wird, wieviel und was er essen oder trinken darf... Damit lernen die Behinderten ganz "heimlich" und im Verborgenen, daß sie nicht über ihre eigenen Lebensumstände verfügen und daß sie ihre Gefühle, Interessen und Bedürfnisse zu unterdrücken haben." (S. 59)

Theunissen, G. &Plaute, W. (1995). Empowerment und Heilpädagogik. Freiburg im Breisgau: Lambertus.