Rohrmann, E. (2007). Mythen und Realitäten des Anders-Seins. Gesellschaftliche Konstruktionen seit der frühen Neuzeit. Wiesbaden: Verlag für Sozialwissenschaften.

Rohrmann setzt sich rekonstruktiv damit auseinander, wie es zu Ausgrenzungen von "andersartigen" Personen kommt. Was haben Religion und Wissenschaft hiermit zu tun? Welche Annahmen der Wissenschaft und der Religion führ(t)en dazu, Menschen als Narren, Hexen etc. auszugrenzen und zu verfolgen? Welche dieser Mechanismen haben bis heute überdauert? Ein interessantes Buch für alle, die ihren Blick auf Menschen mit Handicap in der Praxis daraufhin überprüfen wollen, welche geschichtlichen "Reste" ihn beeinflussen und wie auch heute noch unser Verständnis von Behinderung und psychischer Krankheit sozial konstruiert ist.

Rohrmann setzt an dämonologisch-theologischen Erklärungen des Anders-Seins an, folgt historisch der Entwicklung von der Dämonologisierung zur Biologisierung und Pathologisierung des Anders-Seins, stellt mechanistisch-naturwissenschaftliche Erklärungsansätze des Anders-Seins dar und arbeitet Kontinuitäten heraus, die den Paradigmenwechsel (Ablösung der thomistischen Dämonologie durch den kartesianischen Mechanismus) überdauert haben. Abschließend zeigt Rohrmann Perspektiven für einen neuen Paradigmenwechsel auf und ruft in einem Schlusswort dazu auf, allen Opfern ein bleibendes Andenken zu bewahren: "Der Abschluss dieses Bandes sei den Opfern gewidmet, also denjenigen Menschen, die von ihren Zeitgenossen als vermeintlich andersartig wahrgenommen, von zeitgenössischen Wissenschaftlern, seltener von Wissenschaftlerinnen, so diagnostiziert und entsprechend behandelt wurden und werden." (S. 243).

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Selbstbestimmung: Dimensionen

"Der Anspruch über alle Bereiche der eigenen Lebensführung frei und ohne Zwang durch andere entscheiden zu können. Das Selbstbestimmungsrecht eines jeden Menschen ist in Deutschland ein durch die Verfassung garantiertes Recht (Artikel 2 Grundgesetz). Im völkerrechtlichen Sinne beinhaltet das Selbstbestimmungsrecht der Staaten, dass alle Völker und Nationen ihren politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Status frei bestimmen können.

Für die Emanzipation behinderter Menschen spielt das Recht auf Selbstbestimmung eine zentrale Rolle, da dieses Recht auch über den Verfassungsanspruch hinaus in der politischen und sozialen Praxis in Deutschland erst durchgesetzt werden musste und muss." (S. 873)

 

Zirder, H. (Hg; 2003). Was wollen wir, wenn alles möglich ist? Fragen zur Bioethik. München: DVA.