Krähnke, U. (2007). Selbstbestimmung. Zur gesellschaftlichen Konstruktion einer normativen Leitidee. Weilerswist: Velbrück Wissenschaft.

In seiner Dissertation bestimmt Krähnke den populären Begriff Selbstbestimmung als semantische Leerformel, in deren inhaltlicher Beliebigkeit (und damit zugleich Unverbindlichkeit trotz normativer Aufladung des Begriffs) ein Grund für die wachsende Popularität zu suchen ist. Krähnke zeigt, dass es auf eine konkrete inhaltliche Konturierung und im jeweiligen Kontext Spezifizierung des Begriffs ankommt, wenn er handlungspraktisch verwertet werden soll/verwertbar sein soll. Für die Praxis interessant, da in den Blick gerät, wie wenig geklärt die genauen Inhalte von Selbstbestimmung sind, sobald tautologische Definitionsversuche aufgegeben werden. Hierin liegt die Chance, den Begriff der Selbstbestimmung für die Sozialpädagogisch Behindertenhilfe inhaltlich zu schärfen und ihm ein spezifisches Profil zu geben, dass die Umsetzung aktueller politischer Entwicklungen berücksichtigen kann.

Krähnke führt in drei Abschnitten Gedanken zur Selbstbestimmung aus und konkretisiert in einem vierten Abschnitt beispielhaft den Einfluss der Selbstbestimmungsrethorik auf den Abtreibungsdiskurs darin angewandte Machtpraktiken: Die suggerierte Selbstbestimmung. Ein ideengeschichtlicher Abriss; Die leerformelhafte Selbstbestimmung. Eine sprachanalytische Zwischenbetrachtung; Die umkämpfte Selbstbestimmung. Ein mediensoziologischer Erklärungsansatz; Selbstbestimmung im Abtreibungsdiskurs. Eine empirische Fallstudie.

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Selbstbestimmung, Vollzug und Pragmatik

"Der Begriff Selbstbestimmung besitzt auch eine vollziehende Dimension, im Sinne von Macht über etwas haben oder vollziehendem Handeln." (S. 24)

"Selbstbestimmung bezieht sich auf ein einzelnes Wesen, das sich erkennt indem es sich definiert und Macht über sich ausübt." (S. 29)

"In dem pragmatischen Verständnis geht Selbstbestimmung nicht gänzlich in Handlungsfreiheit über." (S. 28)

"Selbstbestimmung ist bei Menschen mit schwerer geistiger Behinderung unabdingbar auf die Anerkennung durch andere angewiesen." (S. 65)

"Bezeichnend für das pragmatische Verständnis von Selbstbestimmung ist die konkrete relative Handlungsfreiheit." ( S. 28)

 

Weingärtner, C. (2009). Schwer geistig behindert und selbstbestimmt. Eine Orientierung für die Praxis. Freiburg im Breisgau: Lambertus.