Klauß, T. (2005). Ein besonderes Leben. Grundlagen der Pädagogik für Menschen mit geistiger Behinderung. Ein Buch für Pädagogen und Eltern. Heidelberg: Universitätsverlag Winter.

In der dritten Auflage des Buches werden nun auch die Themen Normalisierung, Inklusion und Selbstbestimmung aufgegriffen. Ein Buch das sich eignet, um eine erste Annäherung an einen Behinderungsbegriff zu bewältigen. Wie der Titel schon zum Ausdruck bringt, wird die Differenz Normalität/Besonderung fokussiert. Für Praktiker eher geeignet, um sich dem traditionelleren rehabilitationsorientierten Behinderungsbegriff (Individuelle Schädigung als Ursache der Behinderung) anzunähern, wie er in der Praxis in vielen Kontakten mit Eltern, Pädagogen etc. (noch immer) erlebt werden kann und in der Praxis sicherlich mittelfristig zu erleben bleiben wird. Aus dieser Perspektive heraus lassen sich Anknüpfungspunkte finden, einen alternativen Zugang zu Behinderung zu öffnen, der sich am sozialen oder kulturellen Modell von Behinderung orientiert.

Klauß folgt in seinen Darstellungen dem individuellen Lebenslauf und unterteilt das Buch in 10 Kapitel: Ein Kind mit geistiger Behinderung - was bedeutet das?; Aufgaben der Familie und deren Bewältigung; Ethische Fragen in der Pädagogik für Menschen mit geistiger Behinderung; Wertorientierte Leitideen; Allseitige Bildung - ein Recht aller Menschen; Der Beitrag von Förder- und Therapiekonzepten zur Bildung in allen Lebensnormen; Besondere Verhaltensweisen; Bedeutung und Bildungsaufgaben von Institutionen im Kindes- und Jugendalter; Erwachsenwerden und Erwachsensein; Perspektiven für Menschen mit geistiger Behinderung.

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Selbstbestimmung und heimliches Betreuungskonzept

"Dies hängt mit einem Phänomen zusammen, das wir "heimliches Betreuungskonzept" (Linge/Theunissen 1993, 94) genannt haben. Es bezeichnet alle Prozesse und Regelungen, die nebenbei, unbeabsichtigt und unbewußt ablaufen, die enorm wirksam sind und eine "heimliche" Fremdsteuerung, eine gedankenlose Rundumversorgung und Überbehütung sowie eine subtile Überwachung bedeuten. Auch wenn viel Selbstbestimmung proklamiert wird, erhalten trotzdem viele geistig behinderte Menschen keinen eigenen Schrank- oder Zimmerschlüssel; das Personal ist es, das bestimmt, wann und wie lange der Einzelne morgens baden, ob er duschen oder baden darf, welches Shampoo und welche Seife er verwenden, welches Handtuch zum Abtrocknen er nehmen, welche Unterhose und Strümpfe er anziehen soll, wann gefrühstückt wird, wieviel und was er essen oder trinken darf... Damit lernen die Behinderten ganz "heimlich" und im Verborgenen, daß sie nicht über ihre eigenen Lebensumstände verfügen und daß sie ihre Gefühle, Interessen und Bedürfnisse zu unterdrücken haben." (S. 59)

Theunissen, G. &Plaute, W. (1995). Empowerment und Heilpädagogik. Freiburg im Breisgau: Lambertus.