Goffman, E. (1967). Stigma. Über Techniken der Bewältigung beschädigter Identität. Frankfurt am Main: Suhrkamp.

Goffman setzt sich kritisch mit Normalität und Abweichung auseinander. Menschen mit Körper-, Geistes- und Charakterdefekten fasst er zur Gruppe der Stigmatisierten zusammen, diese wiedrum unterteilt er in Personen mit sichtbaren und Personen mit unsichtbaren Stigmatisierungen. Aus diesen Zeichnungen, die eine Differenz zur Norm darstellen erwachsen Probleme des Mangels an Anerkennung, Achtung und Sympathie der "Normalen" gegenüber den Stigmatisierten. Stigmatisierte Personen lösen Beklemmungen aus, werden ausgegrenzt und abgelehnt, besonders im Zusammenhang mit der Sichtbarkeit (Visibilität) des Stigmas. Aus dem Klappentext: "Wir Normalen verhalten uns so, als ob stigmatisierte Personen nicht ganz menschlich seien und üben, wenn auch oft unbewußt, eine Vielzahl von Diskriminierungen aus, durch die wir ihre Lebenschancen stark beeinträchtigen. Wir konstruieren Theorien, welche die Inferiorität und Gefährlichkeit Stigmatisierter nachweisen sollen manchmal nur, um auf ganz andere Differenzen -z.B. soziale Klassendifferenzen - beruhende Animositäten zu rationalisieren."

Selbstbestimmung und Interpretation

"Über den Begriff Selbstbestimmung ist in Bezug auf Menschen mit Assistenzbedarf bereits viel publiziert worden (...). Ein zentraler Punkt ist hierbei die Interpretation des Begriffs. Selbstbestimmung bedeutet nicht, dass sich behinderte Menschen selbst überlassen sind oder, wie eine Mitarbeiterin berichtete [...]. Selbstbestimmung bewegt sich immer im Spannungsfeld zwischen dem, was eine Person für sich selber möchte (individuelle Kategorie) und dem, was im Kontext einer Gruppe bzw. der Gesellschaft möglich ist (soziale Kategorie) (Theunissen, Plaute 1995)" (S. 79)

Niehoff, U. &Schablon, K.-U. Selbstbestimmung und Teilhabe: Welches Rüstzeug brauchen professionelle Unterstützer? In: Hähner, U., Niehoff U., Sack, R. Walther H. (2005). Kompetent begleiten: Selbstbestimmung ermöglichen, Ausgrenzungen verhindern!. Die Weiterentwicklung des Konzepts »Vom Betreuer zum Begleiter«. Marburg: Lebenshilfe Verlag.