Dechmann, B., Ryffel, C. (2001). Soziologie im Alltag. Eine Einführung. Weinheim und Basel: Beltz.

Praxisorientierte Bestseller-Einführung in soziologische Grundthemen. Anschaulich, verständlich und unterhaltsam geschrieben. Die Inhalte werden didaktisch gut vermittelt, es macht Spaß, das Buch zu lesen. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich, verwendete Fachbegriffe anschaulich erklärt. Das Buch führt in verschiedene Grundbegriffe der Soziologie ein, die erläutert und in Bezug auf die Möglichkeit des "angewandten soziologischen Denkens" mit der Praxis verknüpft werden. Ein rundweg gelungenes Einsteigerbuch in die Grundzüge soziologischen Denkens.

Dechmann und Ryffel stellen nach einer Erklärung über das soziologische Denken dessen Anwendungsmöglichkeiten auf das Individuum, kleine Gruppen, die Organisationsebene und die Gesellschaftsebene dar.

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Selbstbestimmung und heimliches Betreuungskonzept

"Dies hängt mit einem Phänomen zusammen, das wir "heimliches Betreuungskonzept" (Linge/Theunissen 1993, 94) genannt haben. Es bezeichnet alle Prozesse und Regelungen, die nebenbei, unbeabsichtigt und unbewußt ablaufen, die enorm wirksam sind und eine "heimliche" Fremdsteuerung, eine gedankenlose Rundumversorgung und Überbehütung sowie eine subtile Überwachung bedeuten. Auch wenn viel Selbstbestimmung proklamiert wird, erhalten trotzdem viele geistig behinderte Menschen keinen eigenen Schrank- oder Zimmerschlüssel; das Personal ist es, das bestimmt, wann und wie lange der Einzelne morgens baden, ob er duschen oder baden darf, welches Shampoo und welche Seife er verwenden, welches Handtuch zum Abtrocknen er nehmen, welche Unterhose und Strümpfe er anziehen soll, wann gefrühstückt wird, wieviel und was er essen oder trinken darf... Damit lernen die Behinderten ganz "heimlich" und im Verborgenen, daß sie nicht über ihre eigenen Lebensumstände verfügen und daß sie ihre Gefühle, Interessen und Bedürfnisse zu unterdrücken haben." (S. 59)

Theunissen, G. &Plaute, W. (1995). Empowerment und Heilpädagogik. Freiburg im Breisgau: Lambertus.